11. Februar 2019 – Persönlichkeit »Der Blog aus dem Ring« Zum Nicht-Verrücktwerden

 

Soll ich oder soll ich nicht. Ella, meine Tochter wird bald 10, tigert durch den Flur, windet sich, ächzt, seufzt, springt auf und ab und fällt nach einigen Minuten im wahrsten Sinne des Wortes ihre Entscheidung: „Ja, ich komme mit zum Familienausflug ins Olympiazentrum, auch wenn er wahrscheinlich total langweilig wird!“

Entscheidungen sollten durch den Körper gehen. Warum? Damit die Entschlüsse wirklich Hand und Fuß haben.

Auch wenn es für uns als Eltern anstrengend ist, diesem Lösungsfindungsprozess in Bewegung beizuwohnen, zeigt er doch, wie Denken und Entscheiden ursprünglich sehr gut funktionieren können. Kinder durchlaufen diesen 'Gebärvorgang' noch deutlich intuitiver und sichtbarer als wir Erwachsenen. Denn wir ‚brüten‘ ganz im Gegensatz dazu gerne bewegungslos an Bürotischen oder in Sofalandschaften ergebnislos vor uns hin und wundern uns dann, wenn wir trotzdem keine Fortschritte machen.

(© PeopleImages)

Ob kleine oder große Entscheider, wir alle müssen auf dem Weg zum Ziel da durch:

Erstens: relevante Informationen sammeln
Zweitens: diese dann gewichten
Drittens: im Anschluss die Entscheidung fällen

Eines ist sicher: Keine Problemstellung dieser Welt ist eindimensional, deswegen finden wir auch die besten Antworten erst dann, wenn wir uns beim Entscheiden bzw. Denken frei bewegen. Ob es für eine/n Geschäftsführer*in darum geht, eine weitreichende Investitionsentscheidung zu treffen oder für eine Führungskraft ihre Quartalsaufgaben zu priorisieren, der Körper sollte genau dabei mit von der Partie sein. 

Wenn viel auf dem Spiel steht – bitte kraftvoll abspringen!

Um nur ein Beispiel zu nennen: Das Einzige was uns wirklich beim ‚Gewichten‘ der vorhandenen Möglichkeiten voranbringt, ist das Auf- und Abspringen. Deswegen hüpfen Kinder, wenn sie sich für eine Eissorte entscheiden sollen, intuitiv auf und ab. Probieren Sie es selbst. Rütteln Sie sich, wenn Sie sich vor lauter Wahlmöglichkeiten das nächste Mal nicht entscheiden können, so selbst richtig durch. Wie? Springen Sie eine Minute Seil und machen danach einen möglichst kraftvollen Sprung nach oben. Ihr Kopf wird es Ihnen mit einer gut sortierten Wahl danken. 

Wir sehen dabei verrückt aus, sorgen aber so dafür, dass wir es nicht werden!

Ella braucht diesen Hinweis natürlich noch nicht. Bisher läuft ihr Denken in Bewegung noch ganz artgerecht und damit automatisch ab. Auch wenn es für mich als Vater nicht immer einfach ist, beim Entscheiden dabei zu sein. Ich staune immer wieder, wie sie sich zu ihren Lösungen körperlich und mental vorarbeitet.

Peter Flühr

Bildnachweis Titelbild: © Rainer Spitzenberger

Kommentare

  • Jürgen 12. Februar. 2019, 16:54

    Da kann ich deine Tochter gut verstehen. Ich hab da einen guten Freund und wenn was ansteht, gehe ich mit ihm durch den Park. Wir sprechen über alles, aber eigentlich nicht über die Entscheidung, das Problem. Unser 'gehen', das mit den Beinen UND dem Kopf, befreit meinen eingeschränkten Fokus. Und dann kann's wieder weitergehen ... Grüße an Ella.

  • Peter 12. Februar. 2019, 16:59

    Danke Jürgen, ich grüße Ella von Dir! Versprochen.
    Peter

  • Sandra 12. Februar. 2019, 18:51

    Wow... dem kann ich nur zustimmen. Nach 2o min laufen ist mein Kopf frei von Alltagsthemen, so als ob sich der aufgewühlte Kaffeesatz in der Tasse setzt. Klarheit zieht ein und bereitet Raum für Kreativität, Ideen und in Folge davon auch für Lösungen .

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Peter Flühr

Hallo,

ich bin Peter Flühr, seit mehr als 20 Jahren Coach und Trainer.

Viele Fach- und Führungskräfte erleben ihren beruflichen Alltag vor allem als Kampf.

In meinen Seminaren und Trainings zeige ich, wie man jeden Tag aufs Neue in diesem Ring besteht – mit einer Kombination aus mentalen Methoden und gezielter Bewegung.

In meinem Blog greife ich Themen auf, die viele aus ihrem Alltag kennen und gebe einfache Tipps, wie sie sich verbessern oder lösen lassen.

Viel Spaß beim Lesen!