10. Mai 2020 – Persönlichkeit »Der Blog aus dem Ring« Im Grunde

 

haben wir alle keine Lust mehr auf das ganze Kasperltheater - den Seppl, Kasperl, Polizisten, das Krokodil oder sonst wen in der Öffentlichkeit zu spielen. Viele Führungskräfte und Projektleiter*innen wollen in Anbetracht der aktuellen Situation weder vor ihren internen und noch externen Kunden eine Show mehr abspulen. Die, mit denen ich in den letzten Wochen gesprochen habe, graust es, jetzt noch innovativer und agiler aufzutreten zu müssen. Sie würden gerne wie der Fischer, der genug gefangen hat, den Tag entspannt im Hafen sitzend genießen. Da ihnen das aber schon in normalen Fangzeiten nicht wirklich gelungen ist und die Ausbeute in den letzten Wochen fast komplett ausgefallen ist, verfallen nun die Selbstständigen, Freiberufler und viele andere in Aktionismus.

Der Sepp wird seppliger, der Polizist polizistiger

Anstatt die Bühne zu verlassen, in den Zuschauerraum zu gehen, kurz innezuhalten und uns zu fragen, ob wir dieses Theater weitermachen wollen oder etwas ganz grundlegend anders machen sollen, strengen wir uns - erschöpft von all' den Ungewissheiten, die wir lesen und hören - noch mehr an, die zähe Vorstellung irgendwie am Laufen zu halten! 

Wer hat den Mut, sich diese Zeit zu nehmen?

Tragfähige Antworten auf die ‚Soll-ich-wirklich-so-weitermachen-Frage‘ kann uns in erster Linie nur der eigene Körper und das in ihm gespeicherte Erfahrungswissen geben. Diese Art der verkörperten Entscheidungskompetenz wird leider gerade in stressigen Situationen vor lauter Kopfkino gerne vergessen.

Kasperl verlässt die Bühne. (© Peter Flühr)

So kann es gehen.

Machen wir es doch ausnahmsweise einmal ganz anders. Dazu setzen wir uns einmal am Tag still auf eine Bank, Stuhl oder Sofa, massieren uns die eigenen Füße (hier der Videolink) und lassen uns von den Signalen des eigenen Körpers auf einer tragfähigen Basis auf eine selbstbewusste Fährte führen. Auf diese Weise können wir kurz den Abstand zum wilden Treiben genießen. Mit diesem Ritual kommen Sie unmittelbar von der Theaterbühne runter, klären auf ganz natürliche Weise Ihre Gedanken und gewinnen an Resilienz - Tag für Tag.

Mit Grüßen aus dem Ring des Alltags

Peter Flühr     

Bildnachweis Titelbild: © Peter Flühr

Kommentare

  • Anna 11. Mai. 2020, 6:35

    Und wenn man dann seine "Lieblingsrolle" auf der Kasperltheaterbühne identifiziert hat, kann es zur Entspannung beitragen mal in Dr. Döblingers geschmackvolles Kasperltheater reinzuhören:
    Kasperl!
    Alle Mitanand,
    Schrei'n "Kasperl, Kasperl,"
    Alle Mitanand,
    San jetzt scho do.
    Alle Mitanand,
    Schrei'n "Kasperl, Kasperl",
    Alle Mitanand,
    Schrei'n "Fang halt o".
    Vielleicht bekommt man dann Lust mit dem leicht genervten Kasperl mitzusingen und dabei gute Laune zu bekommen:
    Kimm ja scho, kimm ja scho,
    Muss noch schlafa,
    Kimm ja scho, kimm ja scho,
    Lieg' im Bett,
    Kimm ja scho, kimm ja scho,
    Mag net lafa,
    Kimm ja scho, kimm ja scho,
    Ruft's mi noch net."
    Alle Mitanand,
    Schrei'n "Kasperl, Kasperl,"
    Alle Mitanand,

  • Thomas Brandenburger 11. Mai. 2020, 6:38

    Guten Morgen lieber Peter, ein sehr schönes Bild, das Kasperletheater auf das echte Leben zu übertragen. Gefällt mir

  • jürgen 11. Mai. 2020, 7:28

    Guten Morgen lieber Peter. Mit Sicherheit ein schöner Vergleich, aber sitzen wir nicht schon die ganze Zeit im Zuschauerraum und schon dem Kasperltheater zu?? Seit vielen Jahren, mal mit mehr 'schrei'n' und mal mit weniger. Die Kasperlrollen wechseln ständig, so dass man gar nicht mehr weiß - ist nun der Kasperl der Böse, der Polizist oder das Krokodil ... In meiner Kindheit gingen die Stücke dann stereotyp gut aus - bei unserem heutigen bin ich mir da gar nicht so sicher! Also sollte man nicht nur die Bühne, sondern vielleicht auch mal den Zuschauerraum verlassen? Oder im Extremfall das 'Eintrittsgeld' zurückverlangen. Ich wünsch uns allen einen launigen Tag und ein gutes Ende!

  • Peter Flühr 11. Mai. 2020, 7:43

    In der Tat sollte der nächste logische Schritt der sein, den Zuschauerraum häufiger zu verlassen und das mit dem Eintrittsgeld, ist auch ein interessantes 'Bild'. Danke Jürgen.

  • Alfred Essenwanger 11. Mai. 2020, 10:21

    Servus Peter, gute Idee mit dem Kasperltheater - diese Analogie ist mir in letzter Zeit auch öfter durch den Kopf gegangen. Eine Weile zuschauen, eine Weile mitspielen - ja so ist das Leben schon irgendwie. Du sorgst ja mit Dienen Diensten dafür, dass dabei die Ausgewogenheit zwischen Tun und Pause bleibt... LG Fredo

  • Katrin 12. Mai. 2020, 16:24

    Lieber Peter, das ist ein schönes und passendes Bild zu der derzeitigen Situation. Die größte Herausforderung ist wohl, die "Lautsprecher" im Außen leiser zu drehen, und nach innen zu gehen und dort zu bleiben. In der Ruhe. In der Kraft. Danke für deinen Impuls!

* Die mit einem Stern * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per E-Mail an widerrufen.

Detaillierte Informationen zum Umgang mit Nutzerdaten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Kommentar senden
Peter Flühr

Hallo,

ich bin Peter Flühr, seit mehr als 20 Jahren Coach und Trainer.

Viele Fach- und Führungskräfte erleben ihren beruflichen Alltag vor allem als Kampf.

In meinen Seminaren und Trainings zeige ich, wie man jeden Tag aufs Neue in diesem Ring besteht – mit einer Kombination aus mentalen Methoden und gezielter Bewegung.

In meinem Blog greife ich Themen auf, die viele aus ihrem Alltag kennen und gebe einfache Tipps, wie sie sich verbessern oder lösen lassen.

Viel Spaß beim Lesen!