28. April 2020 – Stressbewältigung »Der Blog aus dem Ring« Herein- und herauszoomen

 

Seit einigen Wochen sind wir alle im Homeoffice gefordert, mehrere Stunden am Tag uns in diverse Meetings 'hereinzuzoomen'. An diese spezielle Form der körperlichen und mentalen Beanspruchung müssen sich die meisten Menschen, so auch ich, erst gewöhnen. Doch was genau macht diese Aktivität so anstrengend und wie können wir für Entlastung sorgen? Genau damit beschäftigt sich dieser Blog.

Wie von 180 auf 0 km/h abbremsen 

Wer mit normalem Tempo vom Berg steigt und das nicht regelmäßig tut, spürt am nächsten Tag einen heftigen Muskelkater, kann sich seine Hose kaum schmerzfrei selbst anziehen und Treppen bestenfalls noch behutsam rückwärts runtergehen. Das gleiche Phänomen zeigt sich auch in flachem Gelände - allerdings nur nach extrem abrupten Bremsvorgängen aus hohen Geschwindigkeiten, wie z.B. beim Squashspielen.

Starkes Bremsen und totaler Fokus

Durch die Videokonferenzen werden wir aus unseren organischen Bewegungen beim Kommunizieren herausgerissen und heruntergebremst. Denn zum einen sehen wir uns selbst, alleine das friert schon viele Menschen in ihrer Motorik ein, und dann konzentrieren wir uns auch noch auf die anderen kleinen Fenster, um zu sehen, wie es den anderen gerade geht. Wir verharren also vor der Bildschirmkamera - angestrengt, verspannt und regungslos. Wo wir in normalen Meetings noch einigermaßen entspannt saßen, schauten und sprachen, fristen wir jetzt eine muskuläre eingefrorene Existenz vor dem Rechner und wundern uns, wie so wenig Bewegung so anstrengend sein kann.

Abwechselnd herein- und herauszoomen hilft

Werden beim Muskelkater die Eiweißstrukturen in den Muskeln und im Bindegewebe durch die explosiven Tempowechsel eingerissen, so werden beim einseitigen Hereinzoomen die knöchernen, muskulären und bindegewebigen Strukturen über lange Zeitspannen statisch und fokussiert gehalten. Das ist anstrengend, ungesund und meines Erachtens alles andere als artgerecht.

(© Peter Flühr)

Sich locker machen - vor dem Bildschirm

Was - ohne dass wir unsere Gesprächspartner durch große Bewegungen zu stark irritieren aber durchaus möglich ist, zeige ich hier kurz auf.

1. Den sogenannten 3-Pils-Blick aufzusetzen – sich also kurze lohnende Augenpausen zu gönnen. Diese Art zu schauen ist durch ein Weitstellen der Pupillen gekennzeichnet. Wir wechseln in die sogenannte Panorama-Ansicht und entspannen die Muskeln im Bereich der Schläfen. Ganz so, als würden wir durch ein 15 mm Objektiv blicken. Auf diese Weise nehmen wir den kompletten Horizont bzw. Raum, in dem wir uns befinden, wahr. Vielen Menschen fällt dieser gelassene Blick nach drei Bierchen (deshalb 3-Pils-Blick) deutlich leichter. Doch auch ohne Alkohol und in einer Videokonferenz können wir auf diese spezielle Sehqualität mit ein wenig Übung bewusst zugreifen. Stellen Sie sich einfach vor, Sie säßen nach einem Spaziergang im Murnauer Moos oder an einem See auf einer Holzbank und genießen die Umgebung. Konzentrieren Sie sich einen Moment mehr auf die Atmosphäre, Farben und Gerüche als auf die Details. Das entspannt und entschleunigt nicht nur Ihre Ziliarmuskeln, die die Augen steuern, sondern auch Ihre Gedanken.

2. Mit dem eigenen Atem den Pulli bzw. das Hemd ausweiten

Die zweite Möglichkeit, entspannt und für kurze Zeit herauszuzoomen, ist,  alle 10 Minuten einige Atemzüge tief in den Unterbauch zu leiten. Wählen Sie bewusst die Bauchatmung, so weitet sich nicht nur Ihr Pulli über dem Bauchraum, sondern auch der Raum in Ihren Blutgefäßen. Ihrem Körper erleichtern Sie mit dieser Maßnahme die gleichmäßige Blutzirkulation. Das hat mannigfaltige positive Wirkungen auf Ihre Denkleistung.  

Also einfach die Augen und Atmung in einer Zoomkonferenz kurz auftanken lassen. 

Einen hervorragenden Artikel über weitere Hintergründe der Homeoffice- und Zoom-Belastung hat Dr. Joana Breidenbach auf Xing geschrieben. Ich wünsche Ihnen viel Gelassenheit beim Praktizieren und Erforschen der eigenen Regenerationsmöglichkeiten.

Mit Grüßen aus dem Ring des Homeoffice-Alltags

Peter Flühr

 

Bildnachweis Titelbild: © Peter Flühr

Kommentare

  • Sandra 29. April. 2020, 13:03

    Lieber Peter, Du hast das Problem wieder mal brilliant und humorvoll auf den Punkt gebracht.Die Lösungsansätze aktivieren sofort mein Kopfkino und ich weiss schon jetzt, dass ich den nächsten Zoom Call mega entspannt genießen werde. Danke

  • Peter Flühr 29. April. 2020, 13:34

    Liebe Sandra, super, dass mein Impuls Dich inspiriert hat. Das freut mich sich sehr! Von einer Kollegin habe ich noch den Hinweis bekommen, dass der 'Warm Worm' - eine Riesenwärmflasche, mit dem ich gerne in Trainings regenerative Einheiten intensiviere, sich auch toll in den Videokonferenzen als Entspannungswerkzeug für den Nacken und Rücken einsetzen lässt. Die Dinger lassen sich auch unauffällig auf dem Rücken platzieren.
    https://www.avivamed.de/hobby_und_garten/papeterie_und_geschenke/geschenkideen/riesenwaermflasche_olivia_orange_80_cm_p:6143.html?ecSID=vqunfci3t3lclaoclvpjv4d87fv2g5oe

    Alles Gute und bis bald
    Peter

  • Silvia 29. April. 2020, 15:19

    Kennst Du :
    1. "Schau blöd"
    Fletsche die Zähne, verdrehe die Augen, blase die Backen auf und grinse wild drauf los. Unserem Gehirn ist es egal, warum wir lachen - es setzt dabei immer Glückshormone frei.
    2. "Schau-in-deine-Hände"
    Reibe Deine Hände aneinander, bis sie warm sind. Leg die dann auf Seine Augen. Atme ruhig und bewusst ein+aus. Lass erst los, wenn die Hände die belebende Energie an die Augen abgegeben hat = sie sind wieder kalt.
    Ausprobieren - das gibt neue Energie und Freude weiter in den PC zu schauen...
    LG Silvia

  • Peter Flühr 29. April. 2020, 16:30

    Hallo Silvia,
    vielen Dank für die beiden Augenübungen! Die sind wirklich perfekt für die Zeiten zwischen den Konferenzen.
    Liebe Grüße Peter

  • Elisabeth Flögel 29. April. 2020, 18:30

    Hallo Peter,
    Du hast, wie immer, den Nagel auf den Kopf getroffen. Sehr amüsante und bestimmt leicht zu merkende und nachvollziehbare Anregungen.
    Liebe Grüße Elisabeth

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Peter Flühr

Hallo,

ich bin Peter Flühr, seit mehr als 20 Jahren Coach und Trainer.

Viele Fach- und Führungskräfte erleben ihren beruflichen Alltag vor allem als Kampf.

In meinen Seminaren und Trainings zeige ich, wie man jeden Tag aufs Neue in diesem Ring besteht – mit einer Kombination aus mentalen Methoden und gezielter Bewegung.

In meinem Blog greife ich Themen auf, die viele aus ihrem Alltag kennen und gebe einfache Tipps, wie sie sich verbessern oder lösen lassen.

Viel Spaß beim Lesen!