01. Juli 2019 – Stressbewältigung »Der Blog aus dem Ring« Gänsehaut

 

Hier im Blog geht es darum, wie wir unsere Intuition - also unser verkörpertes Wissen - gezielt anwenden können.

Sie erfahren, welche ganz speziellen Informationen uns die eigene Haut liefern kann und warum es sich lohnt, auf sie zu hören. Denn neben guten Freunden, Coaches aller Art und Google, die in schwierigen Situationen für einen klaren Blick sorgen können, vergessen viele dieses Kommunikationsgenie. Dieses Organ, das zwischen uns selbst und der Außenwelt so hervorragend zu vermitteln weiß, leistet Erstaunliches.  

Das Schaudern lieben lernen

Beginnen wir bei einer der ältesten Körperreaktionen überhaupt - unserer Gänsehaut. Wahrscheinlich kennen Sie ganz unterschiedliche Arten dieses ‚Haare-Aufstellens‘. Dieses Phänomen tritt z.B. beim Frieren,  äußerst angenehmen oder unangenehmen Situationen auf. Ob Sie auf positive, negative oder gemischte Weise berührt sind, können nur Sie selbst beurteilen. Dieses und andere körperliche Phänomene nennt der Neurowissenschaftler Antonio Rosa Damasio die somatischen Marker. Sie geben uns Orientierung im Dschungel des Alltags. Im direkten Vergleich mit den Verlockungen des Smartphones haben diese uralten Körpersignale allerdings immer häufiger das Nachsehen. 

Die drei Handlungsmöglichkeiten 

An sich ist es recht einfach. Wenn wir eine deutliche körperliche Reaktion spüren, verfügen wir über drei Optionen: 1. Weg hier! 2. Näher hin! 3. Oder weiß noch nicht so genau! Die erste Variante wählen wir leider viel zu selten.   

Wer jederzeit für alles offen ist, kann unmöglich ganz dicht sein!

Wie wichtig es ist, sich phasenweise gegenüber der Welt zu verschließen und die eigenen Grenzen zu schützen, habe ich vor mehr als zwei Jahrzehnten am eigenen Leib erfahren. Als sogenannter Neurodermitiker habe ich die Juckreize, Kratzattacken und vor allem das anschließende Bluten gehasst. Es sah nicht nur eklig aus, sondern war auch für alle Mitmenschen deutlich sichtbar. So wurde ich natürlich immer wieder darauf angesprochen. „Oh Gott, was hast Du denn da?

Richtungsweisende Experimente

Mit 25 Jahren, im letzten Semester meines Sportstudiums, begann sich meine Sichtweise auf die Krankheit zu verändern. Im Taijiquan, dem asiatischen Schattenboxen, lernte ich in den Theorieeinheiten das Organ ‚Haut‘ als den Hüter der eigenen Grenzen kennen. Aus traditionell chinesischer Sicht erfüllt sie die lebenswichtige Funktion, uns vor schädlichen Einflüssen zu schützen.

(© MishaBeliy)
Sie ist, im wahrsten Sinne des Wortes, die Grenze zwischen innen und außen. Ich begann daraufhin, mich mit diesem Organ, seinen Fähigkeiten und dessen Bedürfnissen zu beschäftigen. Die Konsequenz – ich gönnte mir mehr Stille und Freiräume, zog aus der Wohngemeinschaft aus, reduzierte meine Außenkontakte und merkte, wie sich meine Haut immer weiter zu beruhigen begann. Die positiven Effekte der Experimente begeisterten mich und weckten meine Neugierde.

Wertvolle, stille Selbstgespräche

Bis heute ist meine Haut durch ihre Signale zuverlässige Ratgeberin in Drucksituationen. Auch wenn das verrückt klingt, respektiere ich ihre Botschaften. Sei es im Berufs- oder Familienleben. Von ihr kommen Impulse wie "Nimm mal den Fuß vom Gas!“, „Geh mal wieder alleine in den Wald!“, „Da machst Du jetzt nicht mit!“ und „Schalt mal Dein Smartphone aus!“. Diesen Empfehlungen folge ich dann häufig. Gerd Gigerenzer, Direktor des Max Planck Instituts, forscht seit Jahren zu diesem Thema.  

Den Erfahrungsschatz entschlossen erweitern

Ich bin mir sicher, dass es sich für jeden Menschen lohnt, den eigenen somatischen Markern Aufmerksamkeit zu schenken. Denn wer die Signale des eigenen Körpers sicher zu entschlüsseln weiß, lebt leichter. Welche Körperareale Ihnen die wertvollsten Informationen für die Herausforderungen des Alltags liefern, weiß ich natürlich nicht. Wer jedoch diesen Draht zu sich selbst kultiviert, verliert sich weder im Internet noch anderswo, sondern weiß, wann es Zeit ist, klare Grenzen zu ziehen und wann ein günstiger Zeitpunkt ist, sich auf Menschen zuzubewegen.   

Mit Grüßen aus dem Ring des Alltags

Peter Flühr

Embodiment - Selbstbewusstsein entsteht durch einen guten Kontakt zum eigenen Körper

Bildnachweis Titelbild: © MishaBeliy

Kommentare

  • Petra 02. Juli. 2019, 15:48

    Hallo Peter, schöner Artikel! Sehr lesenswert und informativ finde ich.
    Gänsehaut bekomme ich immer dann, wenn ich ein großes Insekt aus der Wohnung nach draußen befördere ... dieses Gesumme macht mir wohl Gänsehaut.
    Mir wurde letztens deutlich, dass ich trotz der Stille hier in meinem Ort, meine eigene innere Stille vermisste. Diese 15 Minuten täglich, die ich mich nach innen wende, die haben es in sich :-).
    Danke, dass du uns daran erinnerst ... und ich erinnere mich gern an unsere Qi Gong-Sessions.
    Viele herzliche Grüße
    Petra

  • Martina Boni 17. Juli. 2019, 18:01

    Hallo Peter,
    das Seminar mit Dir habe ich in den hôchsten Tönen gelobt, damit auch andere Kollegen in den Genuss kommen können, Dich zu erleben. Vielen Dank dafür und

    Ja, ich will Deinen Newsletter erhalten!!!

    Herzliche Grüße
    Martina Boni

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Peter Flühr

Hallo,

ich bin Peter Flühr, seit mehr als 20 Jahren Coach und Trainer.

Viele Fach- und Führungskräfte erleben ihren beruflichen Alltag vor allem als Kampf.

In meinen Seminaren und Trainings zeige ich, wie man jeden Tag aufs Neue in diesem Ring besteht – mit einer Kombination aus mentalen Methoden und gezielter Bewegung.

In meinem Blog greife ich Themen auf, die viele aus ihrem Alltag kennen und gebe einfache Tipps, wie sie sich verbessern oder lösen lassen.

Viel Spaß beim Lesen!