20. Oktober 2022 – Stressbewältigung »Der Blog aus dem Ring« Angst & Atem

 

Welche ist die einfachste und wirkungsvollste Übung zum Regenerieren vor und nach intensiven Belastungen, die ich kenne? Es ist die Buteyko-Atemübung. Ich nenne sie die 5 Wellen-Übung. Sollten Sie diese mal ausprobieren wollen, so finden Sie in diesem Beitrag eine Skizze und Anleitung. Bevor es mit dem praktischen Teil losgeht, hier noch drei kurze Absätze zum Einstimmen.    

Mit der Angst ist das so eine Sache. Ohne sie wird es gefährlich und mit ihr ist es auch nicht immer ganz einfach. „Angst ist etwas, das man nach vorne herausprojiziert, - wie einen Horrorfilm – der jedoch in der Realität selten so stattfindet.“ Das sagt Jennifer Wendland in einer Expertenrunde bei 3sat. Frau Wendland ist Weltmeisterin im Apnoetauchen und sie hält diverse Rekorde unter Wasser. Ihre Formulierung ‚etwas nach vorne herausprojizieren‘ finde ich zwar seltsam gewählt und wahrscheinlich lässt sie mich genau deshalb nicht mehr los. In dem 3sat-Beitrag ‚Die Magie des Atmens‘ wird sehr schnell klar, wie viel Einfluss wir auf das eigene Angsterleben nehmen können, wie grausam die eigenen Kinostreifen sein können und wie beruhigend die Konzentration auf das eigene Atmen sein kann. Deshalb steht die Atmung als Objekt im Zentrum der meisten Meditationstechniken. 

Die Atmung als Schlüssel zum Humor

Ich werde nie vergessen, wie vor 30 Jahren meine damalige Mitbewohnerin und gelernte Physiotherapeutin, Annemarie Schabbehard, auf die Forderung eines Schmerzpatienten „Du bist doch die Expertin, Du musst doch wissen, welche Haltung für mich die beste ist!“ antwortete „Die nächste ist immer die beste Haltung. Solange Du lebst, sollte sich Dein Körper immer zumindest ein wenig bewegen. Sonst wird es krampf- und schmerzhaft! Also suche nicht nach der optimalen äußeren Haltung, sondern fange an, Dich für die Bewegung Deiner Lungenflügel im Inneren zu begeistern. Klar, klingt seltsam. Aber dieses Interesse weiß Dein Körper zu schätzen! Es gibt keine effektivere Massage als die, die durch den eigenen Atem in Dir drin passiert. Sie kann den ganzen Körper entspannen. Also atme, während ich Deine Rückenmuskulatur dehne, gemütlich und bewusst!“ Lachen wirkt auch Krampf lösend. 

Falsch abbiegen bei Stress, Angst, Einsamkeit ...

Oft tun wir Menschen bei Distress jedoch genau das Gegenteil. Wir interessieren uns nicht im Geringsten für den eigenen Körper. Wir lenken uns ab, wischen auf dem Smartphone mit den Fingern herum und hoffen, so verschwände die Angst, Einsamkeit oder Wut. Die Konzentration auf das rhythmische Wachsen und Schrumpfen des Brustkorbes wäre in den allermeisten Fällen deutlich gesünder als die 'Daddelei' auf dem Handy. Auch ich 'daddele' natürlich gerne. Doch wenn ich merke, dass mich diese Art der Stimulation mehr verkrampfen lässt als belebt, dann wechsle ich zur folgenden Übung. Sie ist ganz einfach, dauert nur ein paar Minuten. Sie kann am Arbeitsplatz, im Bus oder auch im Freien praktiziert werden.

Mit der 5 Wellen-Übung zur Ruhe kommen

Nehmen Sie dazu Platz und lassen die Atemluft durch die Nase in den Bauch einströmen und formulieren währenddessen still das Wort ‚und‘. Sie reiten dabei wie auf einer Welle etwas nach oben. Nun lassen Sie die Luft wieder gemütlich ausströmen, formulieren in dieser Bewegung das Wort ‚eins‘ und surfen die Welle mental wieder nach unten. Dieses Ein- und Ausatmen, bzw. Steigen und Sinken wiederholen Sie in aller Ruhe viermal. Nach der fünften Ausatmung machen Sie in der Senke eine Pause und zählen still bis fünf. Die fünf Wellen und die Pause wiederholen Sie zweimal und schenken den eigenen Atembewegungen Ihre Zeit. Vielleicht werden Sie erstaunt sein, wie beruhigend sich das Wahrnehmen dieses inneren Naturschauspiels auf Ihre eigene Verfassung auswirken kann. Mit der 5-Wellen-Atem-Übung können Sie bildlich gesprochen das Filmgenre bewusst wechseln - vom Horrorfilm zur entschleunigten Naturdokumentation.

Mit Grüßen aus dem Ring des Alltags

Peter Flühr   

Bildnachweis Titelbild: © Photo by Jakob Owens on Unsplash

Kommentare

  • Elisabeth Flögel 29. Oktober. 2022, 18:08

    Hallo Peter, wieder eine sehr guter und gut durchführbarer, Vorschlag von Dir !
    Vielen Dank liebe Grüße Elisabeth

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Peter Flühr

Hallo,

ich bin Peter Flühr, seit mehr als 20 Jahren Coach und Trainer.

Viele Fach- und Führungskräfte erleben ihren beruflichen Alltag vor allem als Kampf.

In meinen Seminaren und Trainings zeige ich, wie man jeden Tag aufs Neue in diesem Ring besteht – mit einer Kombination aus mentalen Methoden und gezielter Bewegung.

In meinem Blog greife ich Themen auf, die viele aus ihrem Alltag kennen und gebe einfache Tipps, wie sie sich verbessern oder lösen lassen.

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