11. März 2022 – Stressbewältigung »Der Blog aus dem Ring« Das gestresste Herz

 

Stellen wir uns für einen Moment vor, welche Folgen es hätte, wenn die Geschäftsführerin eines Unternehmens niemanden im Vorzimmer sitzen hätte, also keine Person, die sie vor allen einströmenden Anfragen schützen würde. Jeder spontane Gast stünde immer direkt vor ihrer Nase und würde sein Anliegen dort sofort vortragen. Versetzen wir uns in ihre Position. Nach kürzester Zeit wären wir mit den Nerven runter oder, medizinisch formuliert, der bindegewebige Sack, der unser Herz fast vollständig umschließt, vollkommen überstrapaziert.

Ein Beschützer quittiert seinen Dienst 

In der Traditionell Chinesischen Medizin wird dieses Gewebe, das das Zentralorgan umschließt, als Beschützer des Herzens bezeichnet. Quittiert diese elastische Funktionseinheit ihren Dienst, weil es unter Dauererregung steht, dann wird es für das Herz des betreffenden Menschen gefährlich. Mediziner sprechen dann von einer geringeren Herzratenvariabilität oder, einfacher formuliert, von einem gestressten Herzen. Das sorgt dafür, dass uns der klare Blick auf unser Leben verloren geht und wir uns schwertun, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden!  

Verlockende Belohnungen, hoher Preis

Wir alle sind durch die Anwesenheit des Smartphones auf unseren Schreibtischen und in unseren Taschen ständigen Störungen ausgesetzt. Diese willkürlich hereinströmenden Belohnungen und Bedrohungen strapazieren unser Herz. Sie können es sich wie die ‚Wassertropfen-Foltermethode‘ vorstellen. Ein Tropfen bzw. eine Nachricht ist für unseren Organismus kein Problem. Doch die permanente Stimulation auf die immer gleiche Stelle wird irgendwann unerträglich. Gerade dann, wenn wir es mit Pandemien und Kriegen zu tun bekommen, die uns wirklich nahegehen, dann zeigen diese Nachrichten Wirkung. Wir befinden uns in einem Dilemma. Sollen und dürfen wir uns auch mal für einige Stunden oder gar Tage aus dem Reizstrom herausziehen, um nicht den Verstand zu verlieren?

(© istock von Nastco)

Die Kunst sich nicht ablenken zu lassen

Nir Eyal hat vor einiger Zeit ein wirklich hilfreiches Buch zu diesem Thema geschrieben. Darin beschreibt er ganz praktisch, wie wir uns wieder auf das Wesentliche fokussieren und dadurch stimmigere Entscheidungen treffen können. Mich hat dieser Ratgeber dazu motiviert, mir regelmäßige Boxenstopps dann zu erlauben, wenn ich merke, dass ich mich ablenken lasse. Hier kläre ich folgende Frage: „Weshalb lasse ich mich ablenken, ist mir langweilig, bin ich gerade unter Druck, habe ich Angst, oder fühle ich mich gerade einsam?“ Nachdem ich weiß, was in mir los ist, suche ich im Anschluss nach geeigneten Maßnahmen. Und die finde ich ganz selten im Smartphone, sondern draußen offline, zum Beispiel beim Spazierengehen.   

Mit den besten Wünschen für Sie und Ihre Pausen

Peter Flühr

Bildnachweis Titelbild: © istock von Nastco

Kommentare

  • Annette 11. März. 2022, 18:08

    Lieber Peter
    Wie immer großartig und absolut richtig, dass der Focus auf einer Sache liegen sollte

    Ich wünsche dir ein achtsames Wochenende
    Mit den besten Grüßen aus der Schweiz

  • Marc 11. März. 2022, 18:44

    Hallo Peter,

    Ein toller Beitrag mit Tiefgang. Die Gesundheit ist das wichtigste und wir haben nur ein Leben.

    BG
    Marc

  • jürgen g. 12. März. 2022, 8:03

    Lieber Peter, wie immer auf den Punkt. Mein 'Vorzimmer' sind die Augen und die Ohren. Wir müssen uns nur mehr Zeit nehmen schöne Sachen anzuschauen und zu hören. Oder nur mal die Augen schließen, nichts hören als Stille und das eigene Atmen. Und dabei nichts wollen, nichts befürchten. Und das Smartphone nicht nur weglegen, sondern sogar mal ausschalten - es gibt Menschen, die wissen gar nicht wie das geht. Sonniger Gruß ....

  • Peter Fluehr 14. März. 2022, 8:56

    Hallo Annette, Marc und Jürgen,

    vielen Dank für Eure Resonanz! Ich weiß es zu schätzen, wenn Ihr Euch die Zeit nehmt, den Blog zu lesen und den Inhalt auch zu Herzen nehmt :-)!

    Grüße Peter

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Peter Flühr

Hallo,

ich bin Peter Flühr, seit mehr als 20 Jahren Coach und Trainer.

Viele Fach- und Führungskräfte erleben ihren beruflichen Alltag vor allem als Kampf.

In meinen Seminaren und Trainings zeige ich, wie man jeden Tag aufs Neue in diesem Ring besteht – mit einer Kombination aus mentalen Methoden und gezielter Bewegung.

In meinem Blog greife ich Themen auf, die viele aus ihrem Alltag kennen und gebe einfache Tipps, wie sie sich verbessern oder lösen lassen.

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