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09. Dezember 2023 – Praxisfälle »Der Blog aus dem Ring« Vorsicht: Sportlehrer erklärt die PSI-Theorie

 

Die PSI-Theorie von Professor Julius Kuhl kann uns den Alltag enorm erleichtern. Deswegen gibt es zum Abschluss des Jahres 2023 und Start ins neue, heute einen Blog, der zwar Konzentration erfordert, aber wirklich wertvoll sein kann im echten Leben.

Los geht's! Ich, Holger und Sie verfügen über 4 Gehirnsysteme, die wir meist nur sehr eingeschränkt nutzen und uns dadurch das Leben unnötig schwer machen. Betrachten wir diese vier Hirnareale einmal genauer, dann merken wir sehr schnell, wenn Holger sie gezielt aktiviert, dann tauchen plötzlich Lösungen auf, die sonst gar nicht in sein Blickfeld geraten wären. 

1. Abendprogramm auf dem Sofa 'Das Selbst' 

Ein Beispiel aus seinem Abendprogramm: Wenn Holger auf dem Sofa liegt und der Schweinehund verlockend mit dem Schwanz wedelt, ihn ans Sofa fesselt, ihn nicht loslaufen lassen will, dann bleibt er am besten sitzen. Dort in den Polstern greift er nun bewusst auf das 1. Gehirnareal zu. Denn hier – in dieser gemütlichen Position - kommt das System rechts vorne während des Sitzens hervorragend in Bewegung. Es ist zuständig für die Zielbildung und es braucht Ruhe. Ich nenne es auch den Leuchtturmausguck, Professor Julius Kuhl vom 'Selbst'.

Wer handeln will, muss sich Ziele setzen. Ziele entstehen durch die Aktivität eines Systems in der rechten vorderen Gehirnhälfte. In diesem System laufen auch Entscheidungsprozesse ab, wenn wir zwischen verschiedenen Zielen auswählen müssen. Das Areal mit der größten Übersicht über unser Leben ist in jedem Falle der oben benannte Leuchtturmausguck. Holger sitzt also gemütlich da, mit einem Heißgetränk und schaut auf all‘ seine Optionen. Hier laufen auch diejenigen Gehirnfunktionen ab, die man gemeinhin als emotionale Intelligenz bezeichnet. Dominiert dieses Areal, dann schlägt das Herz ruhig, die Atmung ist tief und der Blutdruck ist niedrig. Dieses Gehirnsystem ist aufs Engste verdrahtet mit dem ganzen Körper und dessen Empfindungen. Hieraus tauchen Möglichkeiten auf, die durch bloßes Denken nicht zugänglich sind. Auf diese Weise entsteht bei ihm die lustvolle Vorstellung, mal wieder Skateboard zu fahren, so wie früher. Das Zielbild taucht vor dem inneren Auge auf. Eine Zeit lang kann er darin schwelgen, dann wäre ein Seitenwechsel im Gehirn eine feine Sache.

2. Das Intentionsgedächtnis plant 

Nun geht es weiter nach links vorne. Das 2. System, über das wir Menschen verfügen, ist das der Handlungsplanung beziehungsweise der Logistikabteilung. Ist ein persönliches Ziel auf dem mentalen Leuchtturmausguck definiert worden, wird es an ein anderes Gehirnsystem weitergegeben – die Logistik. Maßgeblich abgelegt – wie schon gesagt - in der linken vorderen Gehirnhälfte. Dort entwirft sie für das Skateboard-Ziel einen konkreten Handlungsplan. Was mache ich zuerst, wie mache ich es, was mache ich später. In diesem Gehirnsystem geht es gesittet, diszipliniert und ziemlich spaßfrei zur Sache. Ein Stift und ein Notizblock leisten hier wertvolle Dienste. Auf dem Weg von der Bildung des Ziels im Leuchtturm zur Planung der Handlungsausführung kommt es - wie eben schon gezeigt - zum Seitenwechsel. Befindet sich der Leuchtturm in unserem Denkmodell rechts vorne, so sitzt die Logistikabteilung links vorne. Sie stellt fest, „Oh ganz schön lange her, dass ich auf einem solchen Brett stand!“ Ich muss erst einmal einen Wiedereinsteigerkurs buchen und meine Ausrüstung ausgraben.  

3. Die intuitive Verhaltenssteuerung macht

Von hier aus wird der Plan zur Ausführung der Handlung an ein drittes Gehirnsystem weitergegeben, den Freizeitpark in Holgers Gehirn. Hier ist seine Stimmung prima und die Aktionspotentiale springen von der einen zur nächsten Synapse. In diesem Lebensmodus ist die rechte hintere Hirnhälfte am aktivsten. Sie ermöglicht unsere Handlungs- und Bewegungsabläufe tatsächlich auszuführen, setzt also den Plan in die Tat um. Wir surfen im Internet, suchen nach einem geeigneten Kurs, buchen und absolvieren ihn. Wurden unsere Pläne bereits sehr oft umgesetzt, werden diese irgendwann automatisch und ohne große Pläne ausgeführt werden. Denken Sie zum Beispiel an das Erlernen des Autofahrens. Zunächst nutzen wir unseren Verstand sehr stark, um das langsame Gas geben bei gleichzeitiger Lösung der Kupplung zu planen und dann vorsichtig in die Tat umzusetzen. Durch stetiges Üben und Wiederholen dieses Vorgangs werden die Bewegungsabläufe automatisiert und können im Laufe der Zeit blitzschnell ausgeführt werden. Ziehen wir regelmäßig mit Skateboard los, dann können wir auf das Logistikzentrum natürlich verzichten. Alles läuft mit dem sogenannten Autopiloten.  

4. Der Fehlerzoom lernt

Das 4. und damit letzte System von Holgers Gehirn wird der Detektiv mit der Lupe genannt. Denn nachdem wir einen Arbeitsschritt mit dem Leuchtturmwärter entschieden, mit Logistikabteilung die einzelnen Schritte geplant und mit dem Freizeitparkbesuchern ausgeführt haben, wird zum Schluss ein viertes Gehirnsystem aktiv. Der Detektiv verrichtet seine Arbeit maßgeblich in der linken Gehirnhälfte, im Hinterkopfbereich. Über die hellwachen Sinne nimmt er das von uns erreichte Bewegungs- oder Handlungsergebnis wahr. Diese exakte Wahrnehmung des Geschehens ist nur möglich, weil der Detektiv mit seiner Lupe vollständig auf problematische Details - seine Schmerzen und Abschürfungen - fokussiert ist. Er sucht regelrecht nach Unstimmigkeiten. Dadurch, dass der Detektiv uns wie ein Seismograph auf kritische Details und Unstimmigkeiten aufmerksam macht, sind wir in der Lage, uns Dinge zu merken und vor allem dazuzulernen. Auch wenn diese kritischen Hinweise im Alltag nicht immer angenehm sind. Diese Informationen werden wieder an den Leuchtturmausguck in seine rechte vordere Gehirnhälfte zurückgespielt. Hier findet nun die Analyse der Gesamtsituation statt. Auf dem Sofa mit dem Heißgetränk in der Hand schauen wir nun auf den gesamten bisherigen Prozess.

Erfüllung finden beim Tüfteln

Holger fragt sich „Wurde mein ursprüngliches Ziel erreicht und wenn nicht, was muss ich verändern, damit das Ziel das nächste Mal erreicht wird?" Welche Alternativen gibt es nun? Von hier startet nun die nächste liegende Acht. Auf diese Weise nutzen wir alle Areale unseres Gehirns. Im Wiedereinsteigerkurs mit dem Skateboard hat Holger festgestellt, wie hart der Beton im Skaterpark ist und zieht deshalb beim 2. Termin zusätzlich Knieschützer an. Auf diese Weise hat Holger wieder Zugang zu einer Bewegungsform gefunden, die für ihn so attraktiv ist, dass das Sofa eine echte Konkurrenz bekommen hat.

Die Quelle - von der Absicht zur Tat

Die hier am stark vereinfachten Beispiel mit Holger dargestellte Theorie ist das Handlungssteuerungsmodell von Professor Julius Kuhl. Es beschreibt, wie wir Menschen von der geplanten Absicht tatsächlich bis zur Umsetzung der Tat schreiten können. Der Körper spielt dabei eine wesentliche Rolle. Er ist die Bibliothek unserer Körpererfahrungen. Ohne diesen Speicher des Organismus – das auch emotionales Erfahrungsgedächtnis genannt wird, ist der Leuchtturmausguck leider geschlossen und die nächsten Entscheidungen verlieren an Qualität, weil sie nicht mit vollem Überblick getroffen werden. Deshalb empfehle ich Ihnen, verbringen Sie Zeit mit Ihrem Körper, hören Sie ihm gelassen zu, was er Ihnen erzählt. Dann schaffen Sie hervorragende Voraussetzungen, sich selbst artgerecht zu führen. Im Video beschreibe ich die 4 Gehirnbereiche und entsprechende Bewegungsmodi ganz anschaulich.

Mit Grüßen aus dem Ring des Alltags

Peter Flühr

 

Bildnachweis Titelbild: © Foto von Milad Fakurian auf Unsplash

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Peter Flühr

Hallo,

ich bin Peter Flühr, seit mehr als 20 Jahren Coach und Trainer.

Viele Fach- und Führungskräfte erleben ihren beruflichen Alltag vor allem als Kampf.

In meinen Seminaren und Trainings zeige ich, wie man jeden Tag aufs Neue in diesem Ring besteht – mit einer Kombination aus mentalen Methoden und gezielter Bewegung.

In meinem Blog greife ich Themen auf, die viele aus ihrem Alltag kennen und gebe einfache Tipps, wie sie sich verbessern oder lösen lassen.

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